Gäste mit zartem Gefieder

Die „Seeleneulen“ von Tom Rusdorf bringen besondere Ruhe in das Stationäre Hospiz

Detmold. Dass Hunde oder Kaninchen, die man streicheln kann, einen positiven Effekt auf kranke Menschen haben, ist schon lange bekannt. Aber Eulen? Die „Seeleneulen“ von Tom Rusdorf besuchten jetzt zum ersten Mal die Gäste im Stationären Hospiz.
Rund anderthalb Stunden Autofahrt hatten die fünf Kauze und Eulen hinter sich, als Tom Rusdorf sein Auto vor der diakonis-Einrichtung parkte. „Das sind sie gewöhnt“, lacht der in Lienen zwischen Osnabrück und Münster lebende Rusdorf, als er von Mitarbeitenden, Angehörigen und Mitgliedern des Fördervereins für Palliativmedizinische Versorgung in Lippe draußen in Empfang genommen wird. Behutsam holt er ein gefiedertes Tier nach dem anderen heraus und stellt es kurz vor. Dann streift er jedem, der mag, einen Handschuh über, um „sie“ oder „ihn“ zu übergeben. „Die Vögel haben von klein auf viel menschlichen Kontakt. Sie kennen es, auf der Hand zu sitzen“, sagt er dazu und nimmt damit die anfängliche Scheu.
Im Hospiz erzählt Rusdorf zunächst viel Wissenswertes zu seinen Tieren, seiner Arbeit und seiner Motivation. „Wir lieben unsere Eulen und ihre Eigenarten. Nicht nur optisch unterscheiden sich unsere Vögel voneinander. Jede einzelne von ihnen hat einen sehr individuellen Charakter.“ Ganz ruhig sitzen „Fee“, „FooFoo“ oder „Tjure“ dabei auf den festen Handschuhen, schließen hin und wieder ihre großen Augen und lassen sich liebevoll streicheln. Die Atmosphäre ist entspannt, niemand will durch hektische Bewegungen oder laute Fragen seinen gefiederten Gast aufscheuchen. Selbst die Flügelschläge zwischendurch oder das sanfte Aufplustern erfolgen völlig geräuschlos.
Dann geht jeder mit seiner Eule auf der Hand in eines der sieben Zimmer. Vorsichtig wird gefragt, ob der Besuch erwünscht ist. Die meisten Gäste freuen sich, sind erstaunt, streicheln das weiche Gefieder oder lassen sich ein Käuzchen zum Anschauen aufs Bett setzen. „Es ist für alle ein wirklich sehr besonderes Erlebnis“, zeigen sich Hospiz-Leiterin Annalena Krause und Hospiz-Mitarbeiterin Antje Schmidt fasziniert.
„Die Menschen kommen bei den Eulen einfach zur Ruhe“, weiß Rusdorf, der früher viel auf mittelalterlichen Märkten engagiert war und über einen Raben, den er geschenkt bekam, zu seiner heutigen Passion gekommen ist. Anja Schulz vom Vorstand des Fördervereins für Palliativmedizinische Versorgung in Lippe e.V. hatte Tom Rusdorf auf einer Veranstaltung kennengelernt. Mit seinen zahmen Eulen besucht er auch Kinderhospize und Alteneinrichtungen. „Ich fand die Idee außergewöhnlich und konnte den Förderverein davon überzeugen, mit unseren Spendengeldern den Besuch der Seeleneulen im Stationären Hospiz zu ermöglichen“, so Schulz. Der Besuch der Seeleneulen soll jetzt etwa alle Vierteljahr wiederholt werden.
„Die heutigen jungen Menschen sind ja die Harry-Potter-Generation und lassen sich gerne mit meinen Eulen fotografieren, um die Bilder auf zum Beispiel Instagram zu veröffentlichen“, berichtet er schmunzelnd weiter. Dabei hält er allerdings fest seine schützende Hand über seine Tiere. Er sorgt für viel Ruhe bei sich zuhause und wählt seine Termine sorgfältig aus, denn sogar für Hochzeiten werden seine Eulen gebucht. In Zusammenarbeit mit dem NABU und der Kreisjägerschaft bringt er gerne Kinder und seine Eulen zusammen. „Eulen bekommt man ja praktisch nie zu Gesicht. Und nur, was ich mal gesehen habe, halte ich auch für schützenswert“, sagt Rusdorf. Auch bei verhaltensauffälligen Kindern sei der therapeutische Effekt durch seine Eulen gut zu beobachten.

Hospiz-Leiterin Annalena Krause (links) und Mitarbeiterin Antje Schmidt waren begeistert von den Eulen.
Tom Rusdorf mit Schneeeule "Tjure". Seine Eltern stammen von der Adlerwarte Berlebeck.
Ein Gast streichelt das Brillenkauz "FooFoo" im Garten.
Auch auf ihren Zimmern wurden die Gäste von den Eulen besucht.

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