Trauer ist ein mühsamer Weg

Martin Kreuels liest aus seinem Buch und berichtet, dass Männer anders trauern

Detmold. Was es bedeutet, nach dem Tod der Frau mit vier kleinen Kindern dazustehen ‒ das kann nur nachvollziehen, wer es selbst erlebt hat. So wie Martin Kreuels. Er machte den Auftakt bei der diakonis-Vortragsreihe, die insgesamt vier Themenabende umfasst, und zog mit seiner Lesung „17 Jahre wir“ seine Zuhörer in der Mutterhauskirche von diakonis in seinen Bann.
Martin Kreuels lebt heute in dem kleinen Ort Bunde in Ostfriesland. Der Tod seiner Frau hat ihn dazu gebracht, Bücher zu schreiben, sich mit der Trauerarbeit mit Männern zu beschäftigen und Angehörigen seine Totenfotografie anzubieten.
„Männer verdecken normalerweise ihre emotionale Seite. Sie denken logisch, rational, vielleicht auch kalt“, sagte Kreuels. Der Tod seiner Frau rüttelte an dieser Festung. Er habe gespürt, wie die kühle Rationalität wich und Gefühle sich breit machten, die er vorher nicht kannte. „Alles schmerzte“, so Kreuels. Das Schreiben gab ihm den Halt, den nächsten Tag, den nächsten Monat zu überstehen. „Mit der Zeit wurde alles anders, aber nicht besser“, resümierte er. Und trotzdem gelang es ihm, in den Alltag zurückzufinden, seinen Kindern Halt und Geborgenheit zu geben.
In seiner Lesung ließ Kreuels seinen Gedanken und Gefühlen über die Zeit vom ersten Kennenlernen seiner Frau bis zu ihrem Tod freien Lauf. Dabei taucht der Zuhörer so nah in die wahre Geschichte ein, als wäre er selbst mittendrin. „Trauer ist Arbeit. Vor einem liegt ein mühsamer Weg, der Angst macht“, so Kreuels. Doch man müsse diesen Weg gehen, um wieder frei für das eigene Leben zu werden.
In der anschließenden Fragerunde galt das Interesse auch den vier Kindern, die den Tod der Mutter verkraften mussten. Kreuels habe immer offenen mit seinen Kindern darüber gesprochen. Als es eines Morgens hieß, die Mutter habe es „geschafft“, seien die Kinder darauf vorbereitet gewesen. Ein Sohn habe zum Abschied noch ein Foto gemacht, das heute für die Familie von großem Wert sei. So habe jeder das Unfassbare letztendlich begreifen und verarbeiten können.

Ein Foto erst nach der bewegenden Lesung: Martin Kreuels.

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