Was soll die schlechte Laune überhaupt?

Lebensfreude trotz Demenz: Andrea Josefa Brinker gab in ihrem Vortrag bei diakonis wertvolle Tipps zu mehr Gelassenheit und Frohsinn im Alltag

Detmold. „Meine Schwiegermutter fragte mich, wo in unserer Küche die Töpfe stehen. Ich sagte es ihr. Am nächsten Tag fragte sie wieder.“ Dies war der Moment, als Andrea Josefa Brinker das erste Mal stutzte. Die Kommunikationstrainerin aus Soest referierte jetzt bei diakonis. In ihrem sehr spannend erzählten Vortrag mit dem Titel „Lebensfreude trotz Demenz“ gab sie den rund 60 Zuhörern in der Mutterhauskirche von diakonis einen Einblick in das Leben mit einem Demenzkranken und gab wertvolle Tipps zum friedvollen und humorvollen Miteinander.

Eine Schwierigkeit sei häufig, dass wir in Gegenwart von Menschen mit Demenz sehr schnell, zu viel reden und Gegenfragen stellen. All das mache diese Menschen unglücklich. Auch die Unkenntnis darüber, was diese Menschen früher gemacht und gemocht haben, sei Grund für mögliche Spannungen.

Andrea Brinker rief dazu auf, trotz der Diagnose mit mehr Gelassenheit zu reagieren, dies gelte auch für das eigene Leben. „Bewertungen finden immer nur im eigenen Kopf statt. Wir bestimmen selbst, ob wir freudig oder betrübt sind.“ Brinker regte an, zum Beispiel nicht ständig zu hadern mit dem vielen Geld, das wir beim Einkaufen ausgeben, sondern die Ware, die wir dafür bekommen, mit Freude zu empfangen. Oder jemandem etwas zu gönnen, das steigere die Freude im eigenen Herzen. Auch Bewertungen wie zum Beispiel „Immer diese blöden Nachbarn …“ beeinflussen das eigene Leben. „Wir sind es selber, die das Leben gestalten. Es geht von innen nach außen. Das, was man glaubt, tritt auch ein. Zum Beispiel, wenn man denkt, dass man alles alleine machen muss. Unsere Gedanken erzeugen genau das Ergebnis!“, so Brinker und riet: Stopp mit Missachtung und Schuldzuweisungen.

„Fragen Sie sich, ob Sie glücklich sein wollen. Bei der Antwort „ja“ nicht warten, jetzt lächeln“, rüttelte Brinker ihr Publikum humorvoll auf. Und: „Was soll die schlechte Laune überhaupt?“ So einfach. Ins eigene Herz zu atmen, bei Entscheidungen auf die innere Stimme (das freudig hüpfende Herz) zu hören, waren weitere Tipps, um positiv gestimmt seinen Weg zu gehen.

Dies seien alles hilfreiche Voraussetzungen, um als Angehöriger den Problemen, Ängsten und Belastungen im Alltag mit Demenzkranken gut zu begegnen. Kinder und Enkelkinder könnten mit ihrer Unbefangenheit viel gut Laune verbreiten, Nähe, kuscheln, gemeinsam nach draußen gehen, all das sei immer möglich und hebe die Stimmung. Wichtig auch die kraftvollen Pausen und Entlastungen der Angehörigen durch pflegerische Dienste ‒ „um geduldig bleiben zu können“.

„Demenzkranke neigen dazu, Menschen zu suchen, die schon lange tot sind. Machen Sie dann keinen Stress, indem Sie dagegenreden. Steigen Sie auf das Gefühl ein, dass der Mensch gerade große Sorge hat und schaffen Sie positive Ablenkung.“ Bestimmte Gerüche oder geliebte Dinge aus der Kindheit dieser Menschen sorgen für Wohlbefinden. Für das Pflegepersonal in Senioreneinrichtungen wie bei diakonis seien solche Informationen aus der Biographie dieser Menschen deshalb von großer Bedeutung. Auch die Ansprache mit dem Vornamen bewirke ein „Anschwingen aller Stärken des Wesens“. Manche Menschen würden ihren (angeheirateten) Nachnamen auch vergessen, sie springen gedanklich häufig in die Vergangenheit und reagieren dann irritiert, wenn man sie damit anspricht.

Angehörige, die zu Besuch kommen, erhalten außerdem nicht selten eine neue Rolle. Wenn der Ehemann zum Beispiel nicht erkannt wird, die Frau aber ständig von ihrem „geliebten Otto“ erzählt. „Bestehen Sie nicht darauf wer Sie sind, sondern nehmen Sie die Rolle in dem Moment einfach an. Seien Sie mit dem Herzen dabei und schenken Sie als Mensch ganz Ihre Aufmerksamkeit“, riet Brinker. Für sehr hilfreich empfahl die Referentin, den demenzkranken Menschen eine sinnvolle Beschäftigung zu geben, etwas, was sie früher gern und oft getan hätten. Brinker: „Und wenn gar nichts mehr geht, dann helfen immer singen, tanzen und Schokolade. Pralinen heben die Stimmung.“

Zeigte den Weg zu mehr Lebensfreude auf: Andrea Josefa Brinker.

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