Das Doppelzimmer brachte sie zusammen
Ilona Knothe und Inge Spangenberg schließen enge Freundschaft im Weberhof
Lage-Hörste. „Ich freue mich richtig“, sagt Ilona Knothe. Es ist 15 Uhr und sie wartet gespannt auf Inge Spangenberg. Da geht die Fahrstuhltür im Obergeschoss des diakonis-Seniorenzentrums Weberhof auf. „Loni!“, ruft Inge Spangenberg. Sie schiebt ihren Rollator zur Seite, um Ilona Knothe fest umarmen zu können. Einige Wochen lang haben sich die beiden Damen im vergangenen Jahr hier ein Doppelzimmer geteilt. Daraus ist eine große Freundschaft entstanden.
Beide Seniorinnen hatten sich zuvor durch einen Sturz etwas gebrochen. Während Ilona Knothe aufgrund dessen in das Seniorenheim zog, kam Inge Spangenberg nur zur Kurzzeitpflege. „Ich hatte mir das Bein gebrochen und war einfach nur dankbar, dass ich eine Unterkunft hatte. Da war es mir total egal, dass es ein Doppelzimmer war“, erinnert sich die 87-Jährige. Umso schöner war der Moment, als die beiden sich das erste Mal kennenlernten. „Du kamst rein mit deinem Astronautenschuh. Wir haben uns angeschaut und gleich gut verstanden“, erzählt Ilona Knothe. „Und haben uns gleich geduzt“, ergänzt Spangenberg lachend.
Die beiden sitzen auf einem Sofa vor ihrem ehemaligen Zimmer 227 bei einem Kaffee und schwelgen in schönen Erinnerungen: Sie erzählen vom Sitzen auf der Terrasse im Garten, vom netten Auszubildenden Jerome, der sie dort so schön bedient hat, und von gemeinsamen Fernsehabenden mit dem geteilten Piccolo in zwei einfachen Wassergläsern. „Herrlich, wir haben so viel Spaß gehabt“, lachen die Damen, „wunderbar!“ An den zahlreichen Angeboten im Haus haben sie gerne teilgenommen und sich auch mit den anderen Bewohnerinnen und Bewohnern gut verstanden. „Aber zwischen uns passte kein Blatt“, gibt Ilona Knothe zu und Inge Spangenberg fügt augenzwinkernd hinzu: „Wir wussten immer Bescheid.“ Dabei haben sie eigentlich unterschiedliche Interessen. Während Ilona Knothe als Sportsmensch früher begeisterte Leichtathletin war und viele Urkunden errungen hat, mag Inge Spangenberg lieber Spaziergänge. Ilona Knothe zuliebe hat sie im Fernsehen aber auch Sport geschaut. Dann wurde im Programm ja auch wieder abgewechselt. Und während Inge Spangenberg gerne Handarbeiten macht, kann Ilona Knothe damit gar nichts anfangen. Mit Grauen denkt die 83-Jährige daran, dass sie als junges Mädchen eine Näh-Ausbildung ausgerechnet bei Seidensticker machen musste. Aber auch darüber können die beiden Seniorinnen heute herzhaft lachen.
Der Moment des Abschieds, als Inge Spangenberg damals wieder in ihr Zuhause nach Lage konnte, war besonders für Ilona Knothe traurig. „Das war schon komisch, ins Alleinsein zurückzukehren“. Mittlerweile ist sie in ein Einzelzimmer gezogen, fühlt sich da aber ganz wohl. Hin und wieder telefonieren sie miteinander oder Inge Spangenberg kommt zu Besuch. Ihre etwa gleichalten Töchter verstehen sich ebenfalls gut. Dass man so eine Freundschaft nicht überall findet, wissen beide. Spangenberg: „Uns verbindet einfach unsere innere Stimme.“
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Vorteile von einem Doppelzimmer
Wer eine Reise bucht, zahlt in der Regel für ein Einzelzimmer einen höheren Preis. Doch ist ein Einzelzimmer wirklich immer die bessere Wahl? Vor acht Jahren baute diakonis für viel Geld ihre Häuser um, da gesetzlich vorgeschrieben wurde, eine Einzelzimmerquote von mindestens 80 Prozent vorzuhalten. Doch wenige Doppelzimmer blieben erhalten — eine gute Entscheidung, wie heute einige Bespiele aus dem Alltag zeigen.
(af)